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Die Geschichte eines Hauses
ist auch die Geschichte einer Familie

Vor gut hundert Jahren stand "am Rauft" in Mürren ein kleines Schuhmacher-Häuschen. Es gehörte Friederich von Allmen, einem zugewanderten Wengener, und seiner einheimischen Ehefrau Anna, geborenen Gertsch von der Nidrimatten. Das "kleine Montana" (Baujahr um 1910) bestand im Wesentlichen aus einem Schuhladen mit einer Wohnung darüber und einer Werkstatt darunter. Direkt nebenan stand das "Murmeli", seinerseits kaum mehr als eine Wohnung mit einem Laden drauf. Hier wohnte Anna Huggler-Varley und betrieb ihren "Souvenir-Bazar".

Das "kleine Montana" sowie ein Teil des "Murmeli" um 1920. Vor dem Schuhladen steht links eine Touristenfamilie, rechts Anna von Allmen-Gertsch und ihr ältester Sohn Fritz.
Das "kleine Montana" sowie ein Teil des "Murmeli" um 1920. Vor dem Schuhladen steht links eine Touristenfamilie, rechts Anna von Allmen-Gertsch und ihr ältester Sohn Fritz.

1928-32 bauten Friederich und Anna dann zusammen mit ihren drei Söhnen Fritz, Hans und Ernst das "grosse Montana", ein Massivbau aus Beton und Backstein mit hölzernen Zwischen-böden, talseitig sieben- und bergseitig vierstöckig. Die Ladenfront teilte sich das Sport- und Schuhgeschäft von Fritz mit dem Coiffeurladen von Bruder Ernst. Die Stockwerke darüber enthielten Wohnungen, diejenigen darunter Schuhwerkstätten. Hier produzierte Fritz von Allmen ab 1932 30 Jahre lang seine berühmten Kandahar-Schuhe. Über 40 meist einheimische Angestellte fanden hier Lohn und Auskommen.
Das "grosse Montana" mit Sportgeschäft und Coiffeursalon, im Vordergrund das Murmeli mit Varley's Bazar, um 1930
Das "grosse Montana" mit Sportgeschäft und Coiffeursalon, im Vordergrund das Murmeli mit Varley's Bazar, um 1930

1942 heiratete Fritz Gertrud Maria ("Trudi") Meyer aus Biel. Dem Ehepaar wurden zwischen 1945 und 1955 fünf Kinder geboren: Martin, Dieter, Katharina, Felix und Susan. Um den Kindern optimale Ausbildungschancen zu bieten, zog die Familie 1952 nach Thun, wo Fritz nach und nach eine Zweigniederlassung seiner Schuhfabrikation aufbaute. Mit Erfolg: 1963 konnte der Betrieb einen eigenen Fabrikneubau in Gwatt beziehen, 1969 wurde er in eine Familien-AG umgewandelt.

In der Zwischenzeit (1959/60) hatte das Murmeli eine Generalüberholung durch Anna Varley's Sohn Ted erfahren, bei der die Strassenfront neu gestaltet und das alte Schindeldach durch ein flaches Blechdach ersetzt wurde. Darunter führte Ted seine "Alpine Boutique", eine Kombination von Souvenirladen und Sanitätsgeschäft.

Während er seine Kandahar-Produktion schrittweise von Mürren nach Thun verlegte (wo man leichter Personal fand und günstiger produzierte), trieb Fritz auch unermüdlich die Modernisierung des Montana voran, das er inzwischen von seinen Brüdern ganz erworben hatte. In den Sechziger- und Siebziger Jahren realisierte er eine Reihe grosser Um- und Ausbauten, wie die Umwandlung von nicht mehr benötigten Schuhwerkstätten in Wohnungen, den Ausbau des Dachstockes mit Ersatz des Walm- durch ein Satteldach, eine neue Zentralheizung, strassenseitig eine neue Fassade mit Erkerteil sowie ein elegantes neues Sportgeschäft im Erdgeschoss.

Um 1975 betreibt Fritz von Allmen im modernisierten Montana sein Schuh- und Sportgeschäft, Ted Varley im Murmeli seine Boutique.
Um 1975 betreibt Fritz von Allmen im modernisierten Montana sein Schuh- und Sportgeschäft, Ted Varley im Murmeli seine Boutique.

Fritz von Allmen verstarb 1980. In der Folge übernahm Dieter von Allmen die Leitung der Kandahar Schuh AG. Die Marke ist im wechselnden Umfeld bis heute erfolgreich geblieben.

Auch im Montana blieb die Zeit nicht stehen. In den Achziger- und Neunzigerjahren realisierte Martin von Allmen im Namen der Erbengemeinschaft weitere Projekte, so eine Fassaden-Isolierung im Untergeschoss (1985), die Umgestaltung des ehemaligen Coiffeursalons in eine Ferienwohnung talseits und einen Abstellraum für Sportgeräte strassenseits (1986) sowie einen innenliegenden Öltank im Kellergeschoss (1993, nach Ölunfall). 1994 wurde das Murmeli erworben und heizungstechnisch ans Montana angeschlossen. 1996 folgte die Umgestaltung des Murmeli-Ladens zum Speiselokal. Hier führt seit 1999 der Chef Tham Kok Kheong aus Singapur mit seiner Frau Ruth das bei Touristen ebenso wie Einheimischen beliebte Chinesische Restaurant. In die Räume der ehemaligen Kandahar-Boutique zog 1997 Alfred Stäger's Sportgeschäft ein.

Ansicht im Sommer 2004. Im Montana - Laden geschäftet Stäger Sport, im Murmeli Tham's Chinesisches Restaurant.

2004 erwarb Martin die beiden Liegenschaften von seinen Geschwistern zu Alleineigentum.

Ansicht im Sommer 2004. Im Montana-Laden geschäftet Stäger Sport, im Murmeli Tham's Chinesisches Restaurant.



Bergansicht des Hauses Montana im Sommer 2008
Sein heutiges Gesicht hat das Montana 2008 erhalten. Der gesamte obere Hausteil wurde aussenisoliert (mit Applaus der Stiftung Klimarappen) und mit einer Holzfassade versehen. Aus den fluhseitigen Balkonen wurden Wintergärten und auf dem Murmeli entstand ein Dachbalkon. Sichtbare Veränderungen gab's auch im Erdgeschoss. Nach dem Auszug von Stäger Sport 2006 eröffnete Sabina Kulicka im Laden einen Massagebetrieb. 2009 wurde das Lokal talseitig in eine neue Wohnung und strassenseitig in einen kleinen Laden umgestaltet, wo Sabina seither tätig ist. 2011 wurden Montana und Murmeli dann endlich auch baulich und optisch vereinigt – zum heutigen "Haus Montana".

Talansicht des Hauses Montana im Sommer 2008
Fazit: Aus dem bescheidenen, aber spektakulär gelegenen Schuhmacherhäuschen ist ein Hort der Lebensqualität geworden, eingerichtet zum gemütlichen Wohnen, guten Essen und intensiven Entspannen, zugleich ein idealer Ausgangspunkt für sportliche und erhohlsame Aktivitäten in einer einmaligen Umgebung.
Inzwischen geniessen schon die Ur-Ur-Enkel des Erbauers Friederich von Allmen hier ihre Ferien.
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